Dr. Bernd Baumann hat den Antrag der SPD- und Grünen-Fraktion “Industrie 4.0: Digitalisierung der Hamburger Wirtschaft vorantreiben” in aller Schärfe kritisiert und den anderen Parteien im Plenum große Unwissenheit zu dem Thema vorgeworfen: “Da zeigt sich, was aus einem so riesigen Zukunftsthema werden kann, wenn es unter die Borniertheit eines kurzsichtigen Provinzpolitikertums gerät.” Hamburg sei nicht der Leuchtturm dieser Zukunftstechnologie, wie es Rot-Grüne hier darstellen wolle. “Es ist vielleicht ein kleines Taschenlämpchen”, so Baumann, das etwa in Japan oder Kalifornien gar nicht wahrgenommen würde.

Bernd Baumann nannte ein innovatives Industrie 4.0-Pilotprojekt in Amsterdam als Beispiel. Dort sei eine Maschine in Betrieb, die – von beiden Seiten einer Gracht – eigenständig eine Brücke baue. Die Maschine fertige den Stahl selber sowie in 3D-Druckqualität die Elemente der Brückenkonstruktion. “Das sind Fortschritte, die wir auch in Hamburg gerne sehen würden.” Baumann betonte die Vorteile im Umweltschutz und der Effektivität, die so intelligente Maschinen im Vergleich zu herkömmlichen Fertigungsprozessen mit sich bringen. “Das ist ein Desaster, das Sie die Tiefe noch gar nicht erfasst haben”, sagte er an die Abgeordneten der anderen Fraktionen gerichtet.

Baumann betonte, dass die Industrie 4.0, auch genannt “Internet of things”, hochkomplex sei. Das langfristige Thema Industrie 4.0 müsse mit anderen langfristigen Themen zusammengedacht werden. Baumann sprach die gestiegenen Anforderungen an: “Einfache Tätigkeiten werden verschwinden. Ganze Bevölkerungsteile und -schichten drohen abgehängt zu werden.” Man brauche daher gewaltige Qualifizierungsoffensiven. “Davon haben wir heute viel zu wenig gehört”, kritisierte Baumann die anderen Fraktionen.

Baumann sprach den demographischen Wandel an: “Die Industrie 4.0 passt sehr gut zu einer schrumpfenden Gesellschaft, wie wir sie haben und sie braucht weniger Menschen, die aber immer besser ausgebildet sind.” Industrie 4.0 werde derart massive Produktivitätssteigerungen freisetzen, dass trotz des Bevölkerungsrückgangs das Produktionsniveau gehalten bzw. noch ausgeweitet werden könne. Baumann: “Das bedeutet für unsere Einwanderungspolitik, dass in Hamburg bzw. Deutschland unter Industrie 4.0-Anforderungen letztlich nur wenige aber dafür hochqualifizierte Einwanderer integriert werden können.”



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