Hamburg, 18.12.2014 – In Dresden haben deutlich mehr als 17.500 Bürger unter dem etwas merkwürdigen Namen “Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes” (Pegida) protestiert. Es gibt keinen politischen Kopf oder Vorstand, der wirklich für die Demonstranten sprechen könnte, nur Anmelder und Ordner. Noch weiß niemand so genau, wie sich die Teilnehmer soziografisch und bezüglich ihrer politischen Einstellungen genau zusammensetzen. Sicher gibt es auch eine Reihe von rechtsradikalen und ausländerfeindlichen Personen darunter. In der ganz großen Mehrheit dürfte es sich aber um harmlose, ehrenwerte Bürger handeln, die von eher diffusen und stark heterogenen Gefühlen der Verunsicherung und der Empörung angetrieben werden.

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Trotzdem dreschen Mitglieder der Politischen Klasse und der Medien bereits kräftig auf sie ein. Viele tun so, als seien sie schon sicher, dass es sich um Nazis handelt. So viele Nazis in Dresden auf den Beinen? Und in Düsseldorf, Kassel und anderen Städten?  Das glaubt doch ernsthaft nicht einmal der realitätsblindeste Linke. Warum tun sie es dennoch? Obwohl sie wissen müssten, dass sie sich damit noch unglaubwürdiger machen? Antwort: Weil sie sich persönlich getroffen fühlen. Und das zu Recht. Viele Politiker, Parteien und Medien sind die eigentlichen Adressaten des Protestes.

Viele Bürger fühlen sich verunsichert von Ereignissen und Entwicklungen, die sie relativ vage mit dem Islam in Verbindung bringen, weil die Verantwortlichen solcher Taten und Drohungen in Nahost und Westeuropa sich selbst darauf berufen. Sie sehen, hören und lesen von den grauenvollen Schlächterbanden des sunnitischen Islamischen Staates(IS), die “ungläubige” Kurden, Yesiden, Schiiten und Christen köpfen, kreuzigen und vergewaltigen. Sie sehen aber nicht, dass die europäischen Staaten diesem zivilisationsfeindlichen Treiben militärisch ein Ende setzen. Wegducken ist die Parole.

Sie wissen, dass Hunderte solcher Schlächter aus Deutschland kommen  -  angeworben von hiesigen Islamisten –  und dass die meisten von ihnen nach Deutschland zurückkehren werden. Was wir bei deren Rückkehr zu erwarten haben, wird von unseren Sicherheitsbehörden nur vage angedeutet. Aber es klingt bedrohlich.

Viele Menschen lesen von Zwangsheiraten, Ehrenmorden und der Unterdrückung von muslimischen Frauen und Mädchen in Deutschland. Sie sehen und spüren, dass in in einigen Vierteln muslimische Parallelgesellschaften entstanden sind. Dass sich viele einer Integration verweigern und nicht einmal die deutsche Sprache lernen. Dass etliche die Regeln unseres Rechtsstaates verachten.

Viele Bürger aus allen Schichten lehnen diese Entwicklungen ab, auch wenn sie die einzelnen Sachverhalte nicht immer differenziert argumentieren können und auch die quantitativen Befunde nicht kennen (können). Vor allem fühlen sie sich in ihrer Verunsicherung vom Staat alleingelassen, insbesondere von den Politikern, die die wohlklingenden Parolen ausgeben, die keiner mehr glaubt.

Sie erwarten vielmeher, dass “die Politik” die Probleme aufgreift, sie thematisiert und diskutiert  -  untereinander und mit ihnen. Auf diese Weise könnten gegebenenfalls auch Mißverständnisse ausgeräumt werden und im Diskurs Lösungen gefunden werden, die die Menschen einander näher bringen und die Integration fördern.

Stattdessen wird die argumentative Auseinandersetzung mit den problematischen Aspekten des Islams zum Tabu gemacht. Wer es trotzdem wagt, wird zum Ausländerfeind und damit zum Paria erklärt. So vertieft sich die Kluft zwischen den Bürgern und der Politik.

Wenn keine Parlamentspartei sich zu ihrem Anwalt macht, wie in einer Demokratie eigentlich zu erwarten, gehen die Bürger auf die Strasse. Dies hat sich nicht nur bei den 68ern, sondern auch in der ausgehenden DDR bewährt.

Auf die Pegida-Provokation folgte jedoch kein Nachdenken der Politik oder gar ein Diskurs, sondern “Staatspädagogik”: Wir klugen Politiker sagen dem dummen Volk, was richtig ist und was nicht. Den erhobenen, moralischen Zeigefinger immer gut sichtbar. Aber die Politiker sind nicht klüger oder “moralisch besser” als die Bürger, sondern nur mächtiger  -  und sie haben per se die besseren Kommunikationskanäle. Nicht nur im Hinblick auf die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten.

Damit sind wir bei den Medien. Reflexhafte Schnellschüsse statt sorgfältiger Analyse. Zum Beispiel die Aussage “Wieso in Dresden? Da gibt es doch fast keine Muslime”: Wir alle bilden unsere Meinung viel mehr über den Fernsehschirm und das Internet als durch eigene Erfahrungen auf der Strasse. Und die Nachrichtenlage ist in Dresden die gleiche wie in Hamburg.

Wo ist die regierungskritische Presse, die früher den gesellschaftlichen Diskurs bestimmt hat? Die Meinung der grossen Parteien und der Medien erscheint oft wie aus einem Guss.

Die Weigerung von Demonstranten mit den Medien zu sprechen, ist der ultimative Ausdruck des Misstrauens in die Medien, aus der Erfahrung das Statements von Bürgern, die nicht im Umgang mit Medien geschult sind, eh gegen ihre Interessen verwendet und zu ihrer Verunglimpfung verwendet werden.

Zurück zum Thema. Die überwältigende Mehrheit der Muslime in Deutschland lebt friedlich unter uns –  mehr oder minder gut integriert. Für die große Mehrheit der Deutschen ist das die akzeptierte und gelebte Realität. Sie sind Kunden, Lieferanten und Kollegen. Absolut niemand stört sich an der anderen Religion. Der Glaube (oder Nichtglaube) ist für Deutsche Privatsache. Jeder nach seiner Fasson. Das erleichtert auch das Zusammenleben mit zugewanderten Menschen aus anderen Kulturkreisen.

Ich würde von täglich gelebter Willkommenskultur in Deutschland sprechen. Es gibt nicht sehr viele Länder auf dieser Welt, die das von sich sagen können.

Deshalb sind deutsche Bürger auch mit Recht empört, wenn sie als ausländerfeindlich und islamophob beschimpft werden, sobald sie Probleme thematisieren, die mit extremen Erscheinungsformen des Islam zu tun haben. Dieses unter den Teppich zu kehren, schafft Verunsicherung und vertieft die Kluft zwischen den Bürgern und der Politischen Klasse. Sie fühlen sich nicht mehr vertreten und verstanden. Die rückläufige Wahlbeteiligung ist nur eines der vielen Symptome.

Die Pegida-Demonstrationen in Dresden wachsen nicht trotz sondern wegen des Gegenwindes aus Politik und Medien. Nach einer Befragung für ZEIT ONLINE  haben fast 50% der Deutschen Sympathie für die Pegida-Demos.

Die Parteien müssen aufwachen und mit den Bürgern auf Augenhöhe reden. Wir die Alternative für Deutschland bekennen uns dazu.