Hamburg - Sonst zitieren sie gerne Hans und Franz, wenn es um politische Forderungen geht: Unsere Journalisten in Hamburgs Lokalredaktionen. Zumindest, wenn die Politiker ein Parteibuch der “Altparteien” haben. Lesen Sie mal, was passierte, als die AfD Hamburg eine Pressemitteilung zu den Straßen-Sperren vor dem US-Generalkonsulat verschickte…

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Den Artikel vom Abendblatt finden Sie beim Klick aufs Bild.

Wenn von der AfD Hamburg eine Pressemitteilung an den “großen Verteiler” geben wird, will das genau überlegt sein. So geschehen, als gestern Vormittag, am 6. August, die AfD die unmissverständliche Forderung aufstellte, dass doch endlich, nach 13 Jahren, die hässlichen “Straßen-Sperren” vor dem fast schon bedeutungslos gewordenen US-Generalkonsulat weg geräumt werden müssten. Auch, weil nach AfD-Recherchen derzeit  nur noch zehn US-Angestellte in der wuchtige Jungendstilvilla an der Alster arbeiten. Die Pressemitteilung verstand sich gleichzeitig als Reaktion auf die Forderung der SPD, noch weitere Straßen um die Alster für den Autoverkehr zu sperren und nur noch Radfahrern (!) zugänglich zu machen.

Wenn so eine Forderung von einem CDU- oder FDP-Politiker gekommen wäre, hätte man – beispielsweise beim Hamburger Abendblatt – den betreffenden Politiker vor das schwer gesicherte Konsulat geschafft, ein hübsches Foto gemacht (“Stellen Sie sich mal direkt vor die Gitter….”) und dann der Geschichte quasi einen “Absender” verpasst.

So läuft das aber nicht, wenn die Forderung von der Alternative für Deutschland kommt. Da wird dann in den Redaktionen von Zeitung, Hörfunk und TV wieder flugs überlegt, ob man “denen” überhaupt eine Plattform gibt. Oder man macht sich einfach die Geschichte als Recherchegrundlage zu eigen, tut so, als sei man selbst drauf gekommen und kehrt den “Absender” einfach unter den Teppich. Das Abendblatt jedenfalls gab am Abend,  natürlich ganz zufällig,  die Story gar als “Exklusivmeldung” heraus. Das stimmt in soweit, als die US-Generalkonsulin  Nancy Corbett gegenüber Lokaljournalist Ulrich Gaßdorf am Telefon zugab, dass Umzugspläne diskutiert würden. Von der AfD-Pressemitteilung will Autor Ulrich Gaßdorf nichts gewusst haben, beteuert im Gespräch, dass er seit Wochen an der Geschichte dran gewesen sei. Ein höchst seltsamer Zufall.

Sei’s drum. Bei der AfD ist jetzt niemand beleidigt, wenn es so läuft. Vielleicht ein bisschen sauer, wenn nun zum Beispiel die CDU oder die FDP daraus politisches Kapital schlagen. Das ist man schließlich gewöhnt. Nein, es geht eigentlich nur um Fairness der Presse  im Umgang mit der Alternative für Deutschland. Die Lokalzeitungen geben uns bislang immer nur selten eine Stimme oder ein Gesicht. Möglicherweise aus politischer Überzeugung oder gar persönlicher Abneigung des Redakteurs. Wer weiß das schon? Aber die Journalisten sollten vielleicht einmal überlegen: Die AfD sitzt in Hamburg mittlerweile in allen sieben (!) Bezirksversammlungen, die FDP nur noch in fünf. Und die sechs Prozent bei derEuropawahl in Hamburg hat die AfD trotz des medialen  “Totschweigens” geholt. Zeit also, umzudenken…

[Oliver Scholl - Pressesprecher AfD Hamburg]

PS: Abendblatt Redakteur Gaßdorf betonte am Telefon, dass er und seine Zeitung völlig unvoreingenommen über die AfD berichten wollen und werden. Was wirklich erfreulich ist. Geärgert haben dürfte er sich aber womöglich über NDR 90,3. Die Hörfunker hatten auf ihrer Homepage nur eine Stunde später seine Story um das US-Generalkonsulat plötzlich ebenfalls als “eigene” Geschichte verkauft (“…nach Informationen von NDR 90,3″). Die hatten übrigens auch die AfD Pressemitteilung vorliegen.